Die Geschichte hinter Documenttailor
Ich komme aus SAP, habe Formulare für Konzerne gebaut — und habe zugesehen, wie die Fundamente wegbrachen.
Mein Name ist Martin Koch. Ich habe die CloudDNA vor über zehn Jahren gegründet, sitze in Loipersdorf in der Thermenregion Südburgenland, habe mit meinem Team mehr als ein Dutzend Bücher bei SAP Press veröffentlicht — und in den letzten fünfzehn Jahren die stille Wahrheit vieler SAP-Häuser gesehen: Dokumentenprozesse laufen entweder auf einer Adobe-Technologie, die 2006 modern war, oder auf einer Envelope-Rechnung, die jedes Jahr wächst. Documenttailor ist entstanden, weil ich beides nicht mehr guten Gewissens empfehlen kann.
Kapitel 1 · Der Beginn
SAP ADS war eine gute Idee — in einer anderen Zeit.
Als die SAP Adobe Document Services Mitte der 2000er kam, war sie eine kleine Revolution: interaktive Formulare direkt aus ABAP, Rendering über einen Adobe-Server, im Browser via XFA. Die halbe Verwaltung Europas hat damit ihre Bescheide, Anträge und Bescheinigungen digitalisiert. Zwei Jahrzehnte später ist von diesem Fundament wenig übrig. Browser haben XFA hinausgeworfen. Adobe hat seine Formular-Strategie mehrfach umgebaut. Und die SAP-Häuser sitzen auf Vorlagen, die sich nur noch mit Sonderaufwand betreiben lassen.
Kapitel 2 · Der Bruch
„Und was machen wir 2030?“ — die Frage, die wir zu oft gehört haben.
Wir sitzen bei Kunden, die dreihundert oder mehr aktive Vorlagen betreiben. Jede einzelne hat einen Fachbereich hinter sich, einen ABAP-Wrapper darum, einen Prüfer, der jährlich unterschreibt. Wenn ein Anbieter dieser Größe die Roadmap ändert oder ein Support-Enddatum nennt, klingt das für Außenstehende harmlos. Innen bedeutet es Millionenbudget für „Ersatz beschaffen und alles neu bauen“. Meine Antwort war jahrelang: „Wir bauen euch Workarounds.“ Bis mir klar wurde, dass Workarounds keine Strategie sind.
Kapitel 3 · Die Signatur-Rechnung
DocuSign hier, Adobe Sign da, Moxis dort — vier Vendoren, vier Rechnungen.
Parallel zur ADS-Frage wachsen die Signatur-Kosten. DocuSign rechnet pro Umschlag ab. Adobe Sign auch. Moxis ist regional. Wer sich mit Legal, HR und Vertrieb hinsetzt, merkt: jedes Team hat sein Werkzeug, die Rechnungen addieren sich, und niemand kann seriös beantworten, wie viele Umschläge nächstes Jahr fällig werden. Für per-Envelope-Abrechnung ist das ein Feature. Für den Kunden ein Kostentreiber ohne Deckel.
Kapitel 4 · Der Gesetzgeber
eIDAS 2.0, EUDI-Wallet — Europa baut sein eigenes Vertrauensfundament.
Die europäische Regulierung geht in eine klare Richtung: qualifizierte Vertrauensdienste werden Standard, die EUDI-Wallet wird zum Identitätsträger. Wer heute eine Dokumentenplattform kauft, muss davon ausgehen, dass QES und Wallet-Signaturen in wenigen Jahren Alltag sind — nicht in einem Add-on. Documenttailor ist deshalb so aufgesetzt: SES als Standard, AES mit RFC-3161-Zeitstempel produktiv, QES-Anbindung an zertifizierte QTSPs über CSC v2 im Pilotbetrieb, PAdES B-B und B-T eingebettet — das B-LTA-Archivprofil (DSS-Dictionary, LTV-Refresh) folgt als nächste Ausbaustufe.
Kapitel 5 · Die Erkenntnis
Erzeugung, Signatur und Vertragsmanagement gehören zusammen.
Ein Vertrag entsteht aus einem Template. Er wird signiert. Er wird gelebt — mit Fristen, Verlängerungen, Kündigungen, Nachträgen. Warum drei Systeme, drei Datenmodelle, drei Vendoren? Die Klausel im Playbook, die im Template landet, muss dasselbe Ding sein wie die Klausel, die beim Renewal geprüft, im Obligation-Kalender überwacht und im Team-Redlining diskutiert wird. Documenttailor ist das erste System, das ich baue, in dem das kein Wunschtraum ist, sondern eine gemeinsame Tabellenstruktur.
Kapitel 6 · Die Entscheidung
Wir haben es selbst gebaut — als Nachfolge-Werkstatt.
Documenttailor ist kein SAP-Produkt, kein Adobe-Nachfolger im offiziellen Sinne. Wir sind eine unabhängige Werkstatt, die einer wachsenden Kundengruppe eine ehrliche Antwort geben will: dieselben Datenflüsse, ein moderner Stack, keine Envelope-Zähler, eine Vertragsverwaltung on top. Die Migration ist der zentrale Baustein — Alt-Templates werden konvertiert, ABAP-Aufrufe bleiben stabil, das Team wird schrittweise geschult.
„Every document, made to measure. Kein Slogan — ein Betriebsprinzip."
Zehn Jahre, ein Fischlokal, eine Umbenennung
Wie aus KSIC die CloudDNA wurde.
Ich habe die CloudDNA vor zehn Jahren gegründet — ursprünglich nicht unter diesem Namen. Ich kam damals von SAP, wo ich Jahre in einem der größten Softwarekonzerne der Welt verbracht hatte. Ein sicherer Hafen. Genau der Ort, den man nicht verlässt, wenn man Kinder, ein Haus und eine ernste Miene hat. Ich habe ihn trotzdem verlassen.
Am Anfang stand ein sperriger Name: die KSIC GmbH — Koch Security, Integration and Cloud Consulting. Vier Buchstaben, die niemand aussprechen konnte, mit einer Beschreibung, die alles und nichts sagte. Ich habe schnell gemerkt: das war die zweite Sache, die man an einem SAP-Ausstieg nicht macht — sich einen Namen geben, der klingt wie ein Compliance-Standard.
Die Rettung kam bei einem Abendessen — obwohl ich das damals noch nicht wusste. Blankenese, Hamburg, ein Fischlokal an der Elbe. Ich war zu Besuch bei einem alten SAP-Kollegen — Jörg, einer dieser Menschen, die man einen SAP-Guru nennt, ohne dass es kitschig klingt. Mit dabei: Daniel, damals mein erster Mitarbeiter, für den es die allererste Dienstreise war. Am Fischtisch saß er nicht — wir zwei alten Hasen wollten in Ruhe reden. (Daniel, falls du das jemals liest: den Steinbutt tut mir bis heute leid.)
Wir tranken einen weißen Burgunder, ich versuchte zum dritten Mal, meinen Firmennamen zu erklären. Jörg unterbrach mich, hob das Glas und sagte einen einzigen Satz: „Martin, du hast die Cloud in deiner DNA."
Kein Vortrag. Keine Analyse. Ein Satz.
Am nächsten Morgen bin ich in einem Hamburger Hotelzimmer aufgestanden, habe aus dem Fenster geschaut und gedacht: CloudDNA — das wäre ein geiler Name. Zwei Wochen später hieß die KSIC GmbH nicht mehr KSIC. Und Daniel hat seither noch viele Dienstreisen gemacht, allerdings meistens mit am Tisch.
Chapeau, Jörg. Ohne diesen einen Satz an diesem einen Tisch säßen wir hier vermutlich immer noch als KSIC — und du müsstest beim nächsten Wiedersehen wieder erklären, was die vier Buchstaben eigentlich bedeuten. Ein Abendessen, das sich gelohnt hat. Ein Kollege, den man behalten sollte.
Was blieb, sind drei Dinge, die den Betrieb seit dem ersten Tag prägen — und mich als Menschen sowieso:
- Die Liebe zu gutem Essen und aufrichtigem Wein. Wichtige Entscheidungen fallen bei uns nicht in Konferenzräumen. Sie fallen an Tischen mit gutem Licht.
- Das Reisen — mit Kunden in ganz Europa, mit dem eigenen Team in Regionen, aus denen wir Talente holen oder in denen wir Kunden begleiten. Jede zweite Reise wird zur Weinreise, ob wir es geplant haben oder nicht.
- Das Südburgenland als Basis — die Thermenregion, die Weinregion. Nicht Wien, nicht Berlin, nicht San Francisco. Wir sitzen dort, wo unser Team lebt, und schöpfen aus zwei Talentschmieden, die man auf keiner Weltkarte findet: der HTL Pinkafeld und der FH Burgenland. Ohne die beiden gäbe es diese Firma nicht.
Angefangen haben wir in einem winzigen Büro in Oberwart. Heute sitzen wir in der ehemaligen Raiffeisenbank in Loipersdorf, direkt in der Thermenregion. Ein Gebäude, das schon einmal einen anderen Bezug zum Himmel hatte, wenn man so will: nach oben. Von bescheidenen Anfängen zu einem Ort mit etwas mehr Platz — das ist Fortschritt.
Aus dem Duo mit Daniel ist inzwischen ein Team von mehr als zwanzig Menschen geworden. Wir haben siebzehn Bücher bei SAP Press veröffentlicht — bunt gemischt, aber immer aus der Praxis, nie aus dem Marketing. Das ist die Sorte Kilometerstand, die man nicht ausdenken kann.
Unser Motto — „We deliver" — meint zwei Dinge: Kundenaufträge, und ein Glas Wein im richtigen Moment. Wir sehen uns als modernes, agiles SAP-Startup. Wir sind nicht die Titanic der Beratungshäuser, wir sind ein Regattaboot. Schneller Kurswechsel, kleiner Wendekreis, keine drei Wochen Meeting-Marathon, bis eine Entscheidung fällt.
The Sky is the Limit. Und ja — die Cloud ist manchmal wolkig. Aber genau dafür haben wir sie ja in den Genen.
Sechs Geschwister — jeder für seine Branche.
Jeder Tailor teilt mit den Geschwistern die Grundlagen — denselben Sicherheitskern, dieselbe DSGVO-Konformität, dieselbe EU-Datenhaltung, dieselbe KI, dieselben Rechnungsformate. Aber die Sprache ist eine andere: DineTailor spricht von Bons, StayTailor von Rechnungsläufen, TaxTailor von KESt-Meldungen, Weintailor von Mostgewicht und Kellerbuch.
Warum überhaupt eine Tailor-Familie
Wir haben uns neu erfunden. Weil die KI uns dazu gezwungen hat.
Ich habe die CloudDNA vor über zwanzig Jahren gegründet, um für Konzerne SAP-Integrationen zu bauen — schwere Software, in Monaten getaktet, mit Angeboten in sechsstelliger Höhe. In dieser Welt war Individualsoftware ein rotes Tuch. Für uns. Für unsere Kunden. Für alle. Man mied sie wie der Teufel das Weihwasser: zu teuer, zu langsam, zu riskant. Standard-Software mit hundert Kompromissen galt als das Vernünftige.
Bis 2023.
Als ich zum ersten Mal ernsthaft mit Sprachmodellen gearbeitet habe, wurde mir klar: das ist keine graduelle Verbesserung. Das ist der Umbruch, der unser Handwerk umschreibt. Und für die Softwarehäuser — die Konzern-Berater, die SAP-Schmieden, die Nischen-Werkstätten — eine echte Bedrohung. Nicht in fünf Jahren. In eineinhalb.
Ich habe zwei Dinge daraus gemacht. Erstens: ich habe mich selbst hingesetzt und Software gebaut — nicht, weil ich das besser kann als meine Leute, sondern weil ich verstehen wollte, wie sich unser Beruf verändert. Und weil ich glaube, dass man seinem Team nicht mit einer PowerPoint erklären kann, wie KI-gestützte Entwicklung funktioniert. Man muss es vorleben, nachts, am eigenen Editor, mit denselben Werkzeugen, die man ihnen empfiehlt.
Zweitens: ich habe die Erkenntnis genommen und daraus eine Produktlinie gemacht. Denn die Kosten-Kurve hat sich verschoben. Was früher drei Monate und ein sechsstelliger Betrag war, geht heute in zwei Wochen. Nicht, weil Programmierer plötzlich zaubern. Sondern weil sie mit Copiloten arbeiten, die die Fleißarbeit übernehmen — und die Programmierer werden dadurch wieder das, was sie eigentlich sein sollten: Handwerker mit Kopf, nicht Tipper mit Zeitdruck.
Individualsoftware ist unter diesen Bedingungen kein Luxus mehr. Sie ist das Vernünftigste, was ein Softwarehaus einem Kunden anbieten kann.
Statt nur darüber zu reden, wollte ich es meinen Leuten vorleben. Also habe ich mir fünf Domänen ausgesucht, die ich gut genug kenne — oder in denen ich Freunde habe, die mir jede Woche das Problem erklären, bis es sitzt — um sie ehrlich zu bauen:
- TaxTailor — für Steuerkanzleien, weil ein Freund mir bei einem Glas Wein von seinem Windows-Terminal- Server erzählt hat.
- DineTailor — für die Gastronomie, weil ich seit Jahren an fremden Tischen sitze und Champagner an Wirte verkaufe.
- StayTailor — für Hotellerie, weil die Thermenregion Loipersdorf voller Betriebe steckt, die sich unter dem Konditionen-Diktat der Portale ducken.
- MeetingTailor — für Sitzungen und Gremien, weil in meinem Freundeskreis Stiftungsräte, Gemeinderäte und Vereinsvorstände immer wieder dieselbe Nachtszene beschreiben.
- Documenttailor — für SAP-Häuser, weil ich selbst fünfzehn Jahre lang Formulare auf den SAP Adobe Document Services gebaut habe und die Nachfolgefrage nicht länger unbeantwortet lassen wollte.
Fünf maßgeschneiderte Werkzeuge für Branchen, die von generischen Cloud-Portalen aus den USA seit Jahren schlecht bedient werden. Die CloudDNA ist deshalb kein SAP-Zulieferer mehr — sie ist ein Werkstattbetrieb mit fünf Produktlinien. Wirtschaftlich riskanter. Menschlich das Ehrlichste, was wir tun konnten.
Wenn Sie Documenttailor überzeugt, ist das der Grund.
Die Schwester-Werkstätten: taxtailor.at · dinetailor.com · staytailor.com · meetingtailor.at